Einführung
MIDI (Musical Instrument Digital Interface) ist kein Audio – es ist eine digitale Sprache, die Instrumente sagt, was sie spielen sollen, wie laut und wie schnell. Man kann es sich wie Notenpapier für Computer vorstellen. Seit seiner Einführung 1983 ist MIDI zum universellen Standard für die Steuerung elektronischer Instrumente geworden.
Was MIDI tatsächlich sendet
Wenn du eine Taste auf einem MIDI‑Keyboard drückst, sendet es eine Nachricht wie:
Note On: Note = C4 (60), Velocity = 100, Channel = 1
Damit sagt das empfangende Instrument: „Spiele das mittlere C mit Anschlagstärke 100 auf Kanal 1.“ Das Instrument erzeugt dann den eigentlichen Klang.
MIDI‑Nachrichten enthalten keine Audiodaten – nur Anweisungen. Deshalb sind MIDI‑Dateien im Vergleich zu Audiodateien winzig.
Kern‑MIDI‑Nachrichtentypen
| Nachricht | Was sie tut | Wertebereich |
|---|---|---|
| Note On/Off | Startet und stoppt einen Ton | Note: 0–127, Velocity: 0–127 |
| Control Change (CC) | Passt Parameter an (Lautstärke, Panorama, Filter) | CC# 0–127, Wert: 0–127 |
| Program Change | Wechselt Presets oder Patches | Programm: 0–127 |
| Pitch Bend | Bendet die Tonhöhe nach oben oder unten | Wert: 0–16383 (14‑Bit) |
| Aftertouch | Druck nach dem Anschlag | Wert: 0–127 |
| System Exclusive (SysEx) | Herstellerspezifische Daten | Variable |
Wichtige MIDI‑CC‑Nummern
| CC# | Parameter | Übliche Verwendung |
|---|---|---|
| 1 | Modulationsrad | Vibrato, Filter‑Sweep |
| 7 | Lautstärke | Track‑Lautstärke |
| 10 | Panorama | Stereo‑Position |
| 11 | Expression | Dynamische Lautstärkekontrolle |
| 64 | Sustain‑Pedal | Klavier‑Sustain |
| 91 | Reverb‑Send | Effekt‑Tiefe |
| 93 | Chorus‑Send | Effekt‑Tiefe |
MIDI‑Kanäle
MIDI unterstützt 16 Kanäle, sodass ein Kabel 16 unabhängige Instrumentenspuren transportieren kann. In einer DAW wird jeder MIDI‑Track typischerweise einem anderen Kanal zugewiesen.
- Kanal 1 – oft die Vorgabe für einzelne Instrumente.
- Kanal 10 – traditionell für Schlagzeug im General‑MIDI reserviert.
- Mehrere Kanäle – nützlich für mehrtimbale Instrumente (z. B. ein Synthesizer, der Bass auf K. 1 und Pads auf K. 2 spielt).
MIDI in deiner DAW
- MIDI‑Clips – enthalten Notendaten, die du im Piano‑Roll bearbeiten kannst.
- Quantize – schnürt Noten an das nächste Raster, um das Timing zu korrigieren.
- Velocity editing – passt an, wie stark jede Note angeschlagen wird, für ausdrucksstarke Dynamik.
- MIDI Learn – mappe einen Hardware‑Controller‑Knopf zu jedem DAW‑Parameter, indem du den Knopf im Lernmodus bewegst.
MIDI vs. Audio
| Aspekt | MIDI | Audio |
|---|---|---|
| Datentyp | Anweisungen | Wellenform‑Samples |
| Dateigröße | Winzig (KB) | Groß (MB) |
| Editierbarkeit | Vollständig editierbar (Tonhöhe, Timing, Velocity) | Eingeschränkt (erfordert Audio‑Processing) |
| Klangquelle | Benötigt ein Instrument zur Tonerzeugung | Enthält den fertigen Klang |
| Qualität | Hängt vom Instrument ab | Hängt von der Aufnahme ab |
Praktische Tipps
- Verwende MIDI für Kompositionen, Audio für Aufnahmen – sie erfüllen unterschiedliche Zwecke.
- Layer MIDI und Audio – löse ein MIDI‑Klavier aus und lege eine aufgenommene Klavierspur darüber, um einen reicheren Klang zu erhalten.
- Nimm MIDI in Echtzeit auf statt Noten zu zeichnen – das fängt menschliches Feeling und Dynamik ein.
- Exportiere MIDI bei Zusammenarbeit – Mitwirkende können ihre eigenen Instrumente mit deinen Notendaten nutzen.
- Sichere MIDI‑Dateien – sie sind der Quellcode deiner Komposition.
Fazit
MIDI ist das Rückgrat moderner Produktion. Das Verständnis von MIDI‑Nachrichten, Kanälen und CC‑Nummern gibt dir präzise Kontrolle über jedes virtuelle und Hardware‑Instrument in deinem Studio.